Vermögensplanung

Frauen und Immobilien – Warum das Eigenheim für viele Frauen Chance und Herausforderung zugleich ist

Für viele Frauen ist die eigene Immobilie weit mehr als ein Vermögenswert. Sie ist Zuhause, Altersvorsorge, Familienmittelpunkt – und manchmal auch Belastung. Ob Erbschaft, Scheidung, Pflege der Eltern oder der Auszug der Kinder: Kaum ein Vermögensgegenstand wird so stark von den verschiedenen Lebensphasen beeinflusst wie eine Immobilie.

Doch während sich die Lebensumstände ändern, bleibt die Immobilie oft dieselbe. Was gestern noch perfekt gepasst hat, kann heute hohe Kosten verursachen oder wichtige finanzielle Spielräume blockieren.

Wie gehen Frauen mit diesen Herausforderungen um? Welche Fehler werden häufig gemacht? Und welche Möglichkeiten gibt es, die eigene Immobilie aktiv für die finanzielle Zukunft einzusetzen?

Darüber sprechen wir mit Renate Fritz, Geschäftsführerin von Frau & Geld, die seit vielen Jahren Frauen unabhängig zu finanziellen Fragestellungen berät.

Autor: JH Redaktion und Experten | Veröffentlicht: 17.08.2026 11:30 | Lesezeit: 27 Minuten | Drucken

Frauen und Immobilien - Junge Frau steht nachdenklich mit Laptop im modernen Wohnraum

Interview

Frau Fritz, unterscheiden sich Frauen und Männer eigentlich im Umgang mit Immobilien?

Männer haben durch gut bezahlte und nicht unterbrochene Erwerbstätigkeit meistens eine belastbarere Kapitaldecke und beginnen daher früher, Richtung Immobilie zu denken. Frauen kaufen Immobilien eher nicht aus dem laufenden Einkommen, sondern eher mit dem Geld aus Erbschaften oder beteiligen sich mit Schenkungen der Eltern an der Familienimmobilie.

Wo beobachten Sie in Ihrer Beratung die größten Unterschiede?

Zunächst im Einkommen und dem verfügbaren Vermögen, aber auch in der Sichtweise der Immobilie als Schutz und Rückzugsort bei Frauen und als Geldanlage und Geldspeicher bei Männern.

Junge Frauen – der Traum vom Eigentum

Viele junge Frauen wünschen sich Wohneigentum. Gleichzeitig sind die Immobilienpreise hoch und Eigenkapital fehlt häufig. Wie erleben Sie diese Situation?

Frauen und Immobilien - Schlüsselübergabe an junge Frau mit Rucksack in möbliertem Zimmer

Wir erleben das häufig in unseren Beratungen. Der Wunsch ist da, jedoch ist er in Großstädten wie hier in München nur für wenige mit eigenen Mitteln erfüllbar. Unsere Empfehlung ist daher, erstmal Eigenkapital anzusparen. Das schult das Gefühl für Geld und was man mit der eigenen Finanzkraft erreichen kann. Erst nach einiger Zeit sieht man klarer, welche Immobilie im Bereich des Möglichen liegt.

Welche Rolle spielen dabei unterschiedliche Einkommensbiografien – beispielsweise Teilzeit, Elternzeit oder geringere Einkommen?

Eine große! Frauen verdienen weniger und haben weniger Geld, das für alle Belange reichen muss. Erwerbslücken und geringe Sparraten und eine niedrige Eigenkapitalquote senken die Kreditwürdigkeit und erhöhen die Lasten.

Sie erleben sicher auch Fälle, in denen Freunde oder Geschwister bereits geerbt haben und dadurch leichter Eigentum erwerben können. Wie wirkt sich diese Ungleichheit auf Ihre Kundinnen aus?

Eine Kundin erzählte mir von einer Freundin, die „plötzlich aufs Land gezogen“ ist und sich dort „was gekauft hat“. Meine Kundin konnte nicht nachvollziehen, dass ihre Freundin nie davon gesprochen hat, dass sie mal so viel erben wird. Sie fühlte sich irgendwie betrogen. Offenbar ist das Thema Erben immer noch mit einer Art Scham besetzt, die dazu führt, dass Erbinnen das Erbe verheimlichen. Was wir öfter in den Beratungen haben, ist ungleiches oder zeitlich versetztes Vererben innerhalb einer Familie. Da gibt es viele Konstellationen, die regelmäßig zu Unmut unter den Geschwistern führen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für junge Frauen dennoch, Vermögen über Immobilien aufzubauen?

Wer das unbedingt möchte, sollte sein Ziel definieren und möglichst früh mit Ansparen in zum Sparziel passenden Fonds beginnen. Wer langfristig Immobilienvermögen aufbauen möchte und das Eigenkapital von mind. 30 % beisammen hat, beginnt am besten mit einer kleinen Immobilie zur Vermietung. Wenn alles gut läuft, kann diese in 10 Jahren verkauft werden und die Summe kann in eine größere Immobilie reinvestiert werden. Leider muss man aufgrund der gestiegenen Preise andere Ziele diesem unterordnen.

Die mittlere Lebensphase

Viele Frauen besitzen bereits eine Immobilie – doch das Haus passt irgendwann nicht mehr zum Leben. Die Kinder ziehen aus, Modernisierungen stehen an oder eine Trennung verändert die finanzielle Situation. Wie häufig begegnet Ihnen dieses Thema?

Frauen und Immobilien - Frau übergibt Hausschlüssel im Umzugskarton-Umfeld

Immobilienverkäufe wegen einer Trennung oder Scheidung sehen wir häufig, der Auszug der Kinder ist seltener ein direkter Grund zum Verkauf. In ihren 50er Jahren genießen die Eltern das Haus erstmal für sich – und die Kinderzimmer werden ja ab und an immer noch gebraucht. Bei Modernisierungen stellen viele Immobilienbesitzer die Überlegung an, ob es sich lohnt, dies und jenes jetzt noch instand zu setzen, oder doch gleich zu verkaufen. In der mittleren Lebensphase gewinnt meist die Renovierung.

Viele Eigentümerinnen empfinden ihr Haus emotional als Sicherheit. Gleichzeitig steckt darin oft ein erheblicher Vermögenswert. Erleben Sie, dass Frauen diese beiden Aspekte manchmal miteinander verwechseln?

Die positiven Emotionen sollte man nie unterschätzen. Wenn jedoch die Finanzen für Hausfixkosten plus Lebenshaltungskosten plus Krankenversicherung plus Kapital für Freizeitgestaltung knapp werden und die Immobilie dann (schon wieder) Geld für Reparaturen verlangt, kommen einige doch ins Grübeln. Eine Immobilie ist keine billige Angelegenheit, man muss sie sich leisten können. Das gilt für den Kauf an sich, aber auch in der Erhaltung. Spätestens wenn der Marktwert bekannt ist und man die Möglichkeiten kennt, wie eine solche Summe sinnvoll für sich eingesetzt werden könnte, kühlen Emotionen schnell ab.

Wann sollte man beginnen, sich Gedanken über Alternativen zu machen – bevor finanzielle Probleme entstehen oder erst dann?

Wichtig ist, seine Optionen zu kennen. Nur dann kann man überlegt handeln. Keine Schnellschüsse!

Welche Möglichkeiten sehen Sie, Vermögen aus der eigenen Immobilie zu nutzen, ohne sofort ausziehen zu müssen?

Man kann eine Immobilie beleihen, verrenten, einen Teil davon verkaufen, eine Leibrente daraus ziehen oder umziehen. Was für wen am besten geeignet ist, kann über RentePlusImmobilie professionell herausgefiltert werden.

Immobilie im Alter

Frauen leben statistisch länger als Männer. Welche Herausforderungen bringt das im Zusammenhang mit selbstgenutzten Immobilien mit sich?

Frauen und Immobilien - Junge Familie mit Umzugskartons vor neuem Haus

Idealerweise ist die Finanzierung bis zum Ruhestand abgeschlossen. In den Jahren zuvor, in denen die Restschuld noch ordentlich ist, sollten Paare unbedingt eine Risiko-Lebensversicherung abschließen, um den Todesfall gegenseitig abzusichern. Ob die Immobilie dann noch zur/zum Hinterbliebenen passt und auch stemmbar ist, zeigt sich schnell.

Viele ältere Frauen wohnen allein in einem großen Haus. Wann wird eine Immobilie eher zur Belastung als zur Sicherheit?

Wenn nach allen Kosten zu wenig Geld/Altersvorsorge zum Leben da ist oder man sich grundsätzlich nicht mehr kümmern kann.

Welche Fehler beobachten Sie bei Eigentümerinnen besonders häufig?

Der Kapitalbedarf von Immobilienbesitzern endet in der Regel nicht einfach. Wenn zu viel Kapital im Vorfeld verschenkt wird, rächt sich das nicht selten später, wenn der Bedarf auftritt und man die Kinder bitten muss. Wenn man dann noch emotional stark an der Immobilie hängt, kann das zum Problem werden.

Viele möchten ihren Kindern oder Enkeln “das Haus erhalten”. Gleichzeitig fehlt Geld für Pflege oder notwendige Modernisierungen. Wie lässt sich dieser Zielkonflikt lösen?

Kinder sollten in diese Überlegungen eingebunden werden. Oft haben die Kinder ganz andere Pläne oder bereits eine eigene Immobilie. „Mama, mach’s dir schön!“ statt „Ich kann nicht in Urlaub fahren, das Dach muss gemacht werden.“ Kommunikation ist alles!

Erbschaften und Erbengemeinschaften

Ein großer Teil des Immobilienvermögens wird heute vererbt. Welche Schwierigkeiten erleben Sie insbesondere bei Frauen, die gemeinsam mit Geschwistern Eigentümerinnen werden?

Sehr selten haben wir die Konstellation, dass mehrere Erben gemeinsam in eine geerbte Immobilie ziehen wollen. Eigentlich nie. Ein Erbe ist immer dabei, der verkaufen will. Der muss dann ausbezahlt werden und da beginnt das Problem. Bis zur Einigung können Jahre vergehen, in denen das Kapital schon gut hätte arbeiten können, für die jeweiligen Ziele der Erben.

Was raten Sie Frauen, die plötzlich eine Immobilie erben und sich erstmals mit Themen wie Verkehrswert, Sanierung, Vermietung oder Verkauf beschäftigen müssen?

Die Immobilie sollte eingewertet werden und parallel die eigene finanzielle Situation jetzt und im Alter beleuchtet werden. Ist die eigene Altersversorgung bereits in trockenen Tüchern, kann die Immobilie ganz anders gesehen werden, als wenn man unbedingt noch 200 oder 300 000 € braucht, um den eigenen Ruhestand auszufinanzieren. Hier muss fundierte und individuelle Beratung ansetzen und die verschiedenen Möglichkeiten darstellen.

Frauen und Immobilien - Beraterin zeigt jungem Paar Grundriss auf Tablet

Finanzielle Selbstbestimmung

Gibt es eine Botschaft, die Sie Frauen im Umgang mit Immobilien besonders ans Herz legen möchten?

Frauen und Immobilien - Junge Frau sitzt mit Laptop vor Credit Score Anzeige

Setzen Sie nicht alles auf eine Immobilie. Denken Sie an Ihre Altersversorgung und Ihre Risikoabsicherung! Die ist wichtig, gerade wenn ein Immobilienkauf geplant ist. Eine gute und belastbare finanzielle Situation zeichnet sich immer durch Streuung über mehrere Bereiche aus. Wird oder muss dagegen alles Geld in eine Immobilie investiert werden, weil man sie sich sonst nicht leisten kann, ist das sehr einseitig und konzentriert.

Wenn Sie drei Empfehlungen für Immobilieneigentümerinnen formulieren müssten – welche wären das?

Genau prüfen, was man kauft – einen langfristigen Finanzplan mit genügend Spielraum aufstellen – die eigene Versorgung nicht vergessen!

Abschluss

Wohin entwickelt sich das Thema “Frauen und Immobilien” aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren?

Das weiß ich nicht!

Werden Immobilien künftig eher zum Vermögensbaustein oder zunehmend zur finanziellen Herausforderung?

Sowohl als auch!

Zur Person Renate Fritz:

Renate Fritz ist Financial Plannerin (EBS) und seit 1997 bei frau & geld Helma Sick Finanzdienstleistungen für Frauen. 15 Jahre hatte sie neben der Firmengründerin Helma Sick die Geschäftsführung inne, heute ist sie Inhaberin von frau & geld. In ihrer langen Berufspraxis hat sie viele tausend Frauen aus ganz Deutschland in Sachen Risikoabsicherung, Altersvorsorge und Vermögensaufbau beraten und betreut sie dauerhaft gemeinsam mit ihrem kompetenten Team. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt ist die ganzheitliche Vermögens- und Ruhestandsplanung.

Zusammen mit Helma Sick hat Renate Fritz mehrere Finanzratgeber für Frauen veröffentlicht, hält Vorträge und Workshops zu Finanzthemen und ist beliebte Interviewpartnerin zum großen Thema Frauen und Finanzen.

Mehr unter www.frau-und-geld.com 

Altersarmut ist weiblich - Renate Fritz von

Altersarmut ist weiblich - 2 Frauen unterschiedlicher Generationen glücklich zusammen auf einer Terrasse

Altersarmut ist weiblich

Immobilieneigentum als Schlüsselfrage

Frauen sind im Alter deutlich häufiger von finanziellen Engpässen betroffen als Männer. Dieses Phänomen ist kein […]
Mikroapartments kaufen - Hausquerschnitt als Büro oder Homeoffice-Planungsvisualisierung auf Bauzeichnung

Kapitalanlage 2026

Mikroapartments kaufen: Lohnt sich die Kapitalanlage 2026 noch?

Der Kauf von Mikroapartments galt lange als einfacher Weg zur Altersvorsorge: kleine Einheiten, hohe Mieten, kaum […]
BGH-Urteil 2026 - Richterhammer, Gesetz und Recht

Immobilienrecht

BGH-Urteil 2026: Bausparer können unzulässige Gebühren zurückfordern

Der Bundesgerichtshof stärkt Verbraucher: Jahresentgelte bei vielen Bausparverträgen sind unzulässig. Wer betroffen […]

Ausdruck: 17.08.2026

© IMMO.info gemeinnützige GmbH