Altersarmut ist weiblich

Immobilieneigentum als Schlüsselfrage

Frauen sind im Alter deutlich häufiger von finanziellen Engpässen betroffen als Männer. Dieses Phänomen ist kein individuelles Versagen, sondern strukturell bedingt und wird unter dem Begriff “Gender Pension Gap” zusammengefasst. Gemeint ist damit die Differenz zwischen den durchschnittlichen Alterseinkünften von Frauen und Männern. In Deutschland beträgt diese Lücke – je nach Region – teils über 20 Prozent, im Westen sogar deutlich mehr als dies in Ostdeutschland der Fall ist.

Für viele Frauen stellt sich deshalb spätestens mit dem Eintritt in den Ruhestand eine zentrale Frage: Wie kann die eigene finanzielle Versorgung im Alter gesichert werden? Immer häufiger rückt dabei die selbstgenutzte Immobilie in den Fokus.

Autor: JH Redaktion und Experten | Veröffentlicht: 26.01.2026 | Lesezeit: 20 Minuten | Drucken

Altersarmut ist weiblich - 2 Frauen unterschiedlicher Generationen glücklich zusammen auf einer Terrasse

Warum Frauen im Alter weniger Einkommen haben

Altersarmut ist weiblich - ältere Dame besorgt am Telefon

Die Ursachen für den Gender Pension Gap liegen meist weit vor dem Rentenbeginn. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen und verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Hinzu kommt ein hoher Anteil unbezahlter sogenannter Care-Arbeit, die zwar gesellschaftlich unverzichtbar ist, sich aber kaum in Rentenansprüchen niederschlägt.

Das Ergebnis: geringere Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung, weniger betriebliche Altersvorsorge und oftmals kaum private Rücklagen. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wird diese Lücke im Alter besonders spürbar.

Die Immobilie als stilles Vermögen

Altersarmut ist weiblich - Grafik von Wohnhäusern mit Gärten

Gleichzeitig zeigt sich ein scheinbarer Widerspruch: Viele Frauen im Rentenalter verfügen zwar über geringe laufende Einkommen, sind aber Eigentümer einer abbezahlten Immobilie. Dieses sogenannte „stille Vermögen“ sorgt zwar für mietfreies Wohnen, schafft aber keine zusätzliche Liquidität für den Alltag, für Pflege oder unerwartete Ausgaben.

An dieser Stelle entsteht eine Versorgungslücke, die nicht durch klassische Renteninstrumente geschlossen werden kann. Genau an diesem Punkt gewinnt die Immobilie als aktiver Bestandteil der Altersvorsorge an Bedeutung.

Immobilie nutzen – ohne ausziehen zu müssen

Altersarmut ist weiblich - junge Frau umarmt ältere Frau in der Küche

Für Eigentümerinnen gibt es heute verschiedene Möglichkeiten, den Wert der eigenen Immobilie nutzbar zu machen, ohne das vertraute Zuhause aufgeben zu müssen. Besonders relevant sind dabei Modelle der Immobilienverrentung, etwa der Vollverkauf mit Nießbrauch oder Wohnungsrecht, aber auch individuell gestaltete Rückmietlösungen.

Diese Modelle sind rechtlich seit Jahrzehnten etabliert und erlauben es, gebundenes Vermögen in laufende Liquidität umzuwandeln. Gerade für Frauen mit geringeren Rentenansprüchen kann dies eine wichtige Ergänzung darstellen, um finanzielle Unabhängigkeit im Alter zu sichern.

Wichtig ist dabei: Die Entscheidung für oder gegen ein solches Modell sollte niemals standardisiert erfolgen. Jede Immobilie, jede Lebenssituation und jede familiäre Konstellation ist anders.

Warum gerade Frauen frühzeitig planen sollten

Der Gender Pension Gap ist kein kurzfristiges Problem, sondern das Ergebnis eines gesamten Erwerbslebens. Umso wichtiger ist es, frühzeitig über die eigene Altersvorsorge nachzudenken – und dabei auch die Immobilie bewusst mitzudenken.

Wer rechtzeitig prüft, welche Optionen bestehen, kann bessere Entscheidungen treffen: etwa, ob ein späterer Verkauf sinnvoll ist, ob eine Verrentung in Frage kommt oder ob andere Lösungen besser passen. Finanzielle Bildung und Transparenz spielen dabei eine zentrale Rolle, denn nur wer seine Möglichkeiten kennt, kann sie auch nutzen.

Interview mit Renate Fritz, Frau & Geld

Altersarmut ist weiblich - Renate Fritz von

Renate Fritz ist Financial Plannerin (EBS) und seit 1997 bei frau & geld. 15 Jahre hatte sie neben der Firmengründerin Helma Sick die Geschäftsführung inne, heute ist sie alleinige Geschäftsführerin und Inhaberin von frau & geld. In ihrer langen Berufspraxis hat sie viele tausend Frauen aus ganz Deutschland in Sachen Risikoabsicherung, Altersvorsorge und Vermögensaufbau beraten und betreut sie dauerhaft gemeinsam mit ihrem kompetenten Team.

Zusammen mit Helma Sick hat Renate Fritz mehrere Finanzratgeber für Frauen veröffentlicht – zuletzt (April 2021) „Frau und Geld – Wie Frauen finanziell unabhängig werden“ – hält Vorträge und Workshops zu Finanzthemen und schreibt seit einigen Jahren die Finanzkolumnen in freundin und im Magazin Meine Enkel und ich. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt ist die ganzheitliche Vermögens- und Ruhestandsplanung.

www.frau-und-geld.com 

1. Frau Fritz, Sie beraten bei „Frau &Geld“ bereits seit fast 30 Jahren Frauen in finanziellen Angelegenheiten. Gibt es ein Muster, das Sie in Ihren Beratungen erkennen können, woran es bei der Altersvorsorge bei Frauen meistens fehlt?

Frauen haben in der Regel weniger Geld zur Verfügung als Männer. Das „Muster“ wird bestimmt durch Erwerbsunterbrechungen etwa durch Erziehungs- oder Pflegezeiten, geringere Bezahlung und/oder Teilzeitarbeit und oft ein früherer Renteneintritt. Dadurch kommt für die Altersversorgung weniger zusammen, sowohl bei den automatischen Einzahlungen in die gesetzliche Rente als auch durch zusätzliche private Altersvorsorge. Oft fließt auch viel in die Abzahlung eines Immobiliendarlehens und dieses Geld steht für andere Belange, wie Altersvorsorge oder Vermögensaufbau, nicht mehr zur Verfügung.

2. Welchen Tipp können Sie gerade älteren Frauen geben, die in selbstgenutzten Immobilien wohnen?

Wenn die Immobilie über mehrere Jahrzehnte so hart erspart wurde, ist ein Verkauf für viele undenkbar. Ist im Alter aber zu wenig Rente da, bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Immobilie wird verkauft und von der Summe eine Rente geschaffen, die auch die Miete einer kleineren Wohnung abdecken kann, oder die Immobilie an sich wird zur Rentenquelle – und man bleibt wohnen.

3. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Immobilienverrentung gemacht?
In anderen Ländern sind die Möglichkeiten der Immobilienverrentung schon weiter verbreitet, bei uns, so habe ich das Gefühl, hat das noch niemand so richtig auf dem Schirm. Meine Erfahrungen halten sich daher auch in Grenzen. Informationsportale, wie Immo.info können da viel Aufklärungsarbeit leisten. Für viele Ältere mit Immobilienbesitz wäre das DIE Lösung ihrer finanziellen Sorgen.

Altersarmut ist weiblich - 3 Frauen, zwei davon älter eine jünger, glücklich zusammen im Wohnzimmer

Fazit: Altersvorsorge ist auch eine Immobilienfrage

Der Gender Pension Gap zeigt deutlich, dass Altersarmut kein Randthema ist – und Frauen besonders betrifft. Die Immobilie kann in diesem Zusammenhang zu einem entscheidenden Stabilitätsfaktor werden, wenn sie bewusst und informiert in die Altersplanung einbezogen wird.

Für viele Eigentümerinnen bedeutet das nicht, ihr Zuhause aufzugeben, sondern es strategisch zu nutzen, um finanzielle Sicherheit und Selbstbestimmung im Alter zu erhalten. Gerade deshalb lohnt es sich, frühzeitig unabhängige Informationen einzuholen und alle Optionen sorgfältig abzuwägen.

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