Haftpflicht, Hausrat, Rechtsschutz

Welche Versicherungen Mieter wirklich brauchen

Für Mieter gibt es in Deutschland keine Pflichtversicherung. Heißt das, man braucht gar keine? Nicht ganz. Wer etwa unversichert einen Wasserschaden in der Nachbarwohnung verursacht, haftet im Zweifel mit seinem gesamten Privatvermögen. IMMO.info hat mit dem unabhängigen Versicherungsmakler Daniel Reitz gesprochen und gibt einen Überblick über die wichtigsten Versicherungen für Mieter.

Autor: KJ Redaktion und Experten | Veröffentlicht: 30.03.2026 17:05 | Lesezeit: 18 Minuten | Drucken

Versicherungen fuer Mieter - Mehrfamilienhaus modern im Grünen

Wichtige Versicherung für Mieter: Haftpflicht

Vor der Arbeit noch schnell die Waschmaschine eingeschaltet, abends stehen Bad und Flur unter Wasser. Ein Schlauch ist geplatzt, das Parkett muss erneuert werden, die Decke der Wohnung darunter ebenso.

Portrait: Daniel Reitz, unabhängiger Versicherungsmakler

Daniel Reitz

Daniel Reitz ist unabhängiger Versicherungsmakler und führt das Maklerbüro Reitz  in zweiter Generation. Neben Versicherungen berät Reitz auch zu Finanzen und Altersvorsorge.

Eine Haftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die man anderen Menschen oder deren Eigentum unbeabsichtigt zufügt.

Der freie Versicherungsmakler Daniel Reitz bezeichnet eine Haftpflichtversicherung als „absolut essenziell“ und rät zu einem hochwertigen Tarif.

„Einen einfachen Schutz bekomme ich für 50 Euro, einen sehr, sehr guten für 60 Euro“.

Für eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt ist das wenig.

Dennoch verzichtet laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rund jeder sechste Haushalt auf diesen Schutz; das gilt für Mieter ebenso wie für Eigentümer. In unserem Artikel „Versicherung der Immobilie: Welche Versicherung muss sein?“ stellen wir weitere wichtige Policen für Immobilieneigentümer vor.

Was eine gute Haftpflichtversicherung leisten sollte

Versicherungen fuer Mieter - Mehrfamilienhaus

Eine gute Haftpflichtpolice schließt den Baustein „Mietsachschäden“ ein, der auch Schäden durch Schimmelbildung abdeckt. Außerdem sind Allmählichkeitsschäden versichert: Schäden, die schleichend entstehen, wenn etwa bei jedem Gießen Wasser auf den Teppich tropft oder Kerzen nach und nach die Wände schwärzen.

Geht in einem großen Mietshaus ein Schlüssel verloren und muss die gesamte Schließanlage ausgetauscht werden, werden Zehntausende Euro fällig. Reitz empfiehlt daher eine Prämie mit hoher Deckungssumme für Schlüsselverlust.

Zudem rät er zu einem Tarif mit Bestleistungsschutz.

„Wenn ein bestimmtes Ereignis bei meinem Versicherer eigentlich nicht versichert ist, bei einem anderen Anbieter in Deutschland jedoch schon, dann übernimmt auch meine Versicherung die Kosten,“

sagt Reitz. Ob dieser Schutz enthalten ist und welches die wenigen Ausschlüsse sind, steht in den Versicherungsbedingungen oder direkt in der Police.

„Eine Haftpflichtversicherung leistet nicht nur bei berechtigten Schadensersatzansprüchen, sondern wehrt auch unberechtigte Forderungen ab“, ergänzt der Versicherungsexperte, „etwa, wenn ein Vermieter versucht, auf Kosten der Mieter die Wohnräume durchzurenovieren.“

Policen für Wohngemeinschaften?

Eine Haftpflichtversicherung gilt entweder für eine einzelne Person oder als Familienpolice für Ehepartner und Kinder. Wie lange volljährige Kinder in Studium oder Berufsausbildung mitversichert sind, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Auch unverheiratete Paare, die zusammenleben, können sich gemeinsam versichern.

Bei Wohngemeinschaften kommt es auf den Mietvertrag an.

„Gibt es einen Hauptmieter, wird der Vermieter seine Ansprüche an ihn stellen, egal, wie viele Untermieter dort wohnen“

, sagt Reitz. Werden die Zimmer separat vermietet, braucht jeder Bewohner seine eigene Police. Der Vorteil: So ist man auch gegen Schäden versichert, die außerhalb der Wohnung entstehen.

Auch wenn die Haftpflichtversicherung nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, können Vermieter Mieter bevorzugen, die eine haben.

Geht es um den eigenen Besitz, ist die Haftpflichtversicherung nicht zuständig. Dafür gibt es die Hausratversicherung.

Sinnvolle Versicherung für Mieter: Hausrat

Versicherungen fuer Mieter - Mehrfamilienhaus

Die Wohnungstür ist aufgebrochen, die Schubladen durchwühlt. Laptop und Schmuck fehlen. Ein Einbruch ist nicht nur ein Schock. Der finanzielle Schaden geht schnell in die Tausende.

Eine Hausratversicherung schützt den persönlichen Besitz in der Wohnung: alles, was dem Mieter gehört und nicht dem Vermieter. Sie greift bei Einbruchdiebstahl, Feuer, Sturm und Leitungswasserschäden.

„Die häufigsten Schadensfälle entstehen durch Einbruchsdiebstahl und Wasserschäden, etwa in darüberliegenden Wohnungen oder durch Feuchtigkeit im Keller“

, sagt Reitz. In feuchten Kellern können Kleidung, Schuhe, Bücher schimmeln. Bei Diebstahl ohne Einbruch zahlt die Versicherung nicht. Das gilt zum Beispiel, wenn eine Terrassentür offenstand.

Fahrräder sind oft nur eingeschränkt versichert. Wird ein Fahrrad aus dem Keller oder einer abgeschlossenen Garage gestohlen, ersetzt die Versicherung meist den Verlust. Für Diebstähle auf der Straße ist ein zusätzlicher Baustein nötig.

Hausratversicherung ist an Wohnung gebunden

„Der meistgenutzte Service der Hausratversicherung ist eine Assistenzleistung, die nicht alle Policen beinhalten“

, erzählt Reitz. Es handle sich um den Notrufservice, der rund um die Uhr einen Schlüsseldienst schickt. Vor allem Studierende greifen darauf zurück.

Wie Haftpflichtversicherungen bieten auch Hausratversicherungen in manchen Tarifen eine Bestleistungsgarantie. Grundsätzlich richtet sich der Preis nach Wohnungsgröße und Wohnlage. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung sind Policen für bereits unter 100 Euro zu haben.

Im Schadensfall ersetzt die Hausratversicherung den Neuwert, also den Betrag, den ein gleichwertiger Gegenstand heute kosten würde. Die Haftpflichtversicherung ersetzt dagegen nur den Zeitwert. Bei älteren Gegenständen kann der deutlich unter dem Neupreis liegen.

Anders als die Haftpflichtversicherung ist die Hausratversicherung nicht an eine Person gebunden, sondern an eine Wohnung. Wer umzieht, muss die Police auf die neue Wohnung umschreiben lassen und die Versicherungssumme bei Bedarf anpassen. Ist die Summe zu niedrig, erstattet die Versicherung im Schadensfall nur einen Teil.

Empfehlenswerte Versicherung für Mieter: Rechtsschutz

Versicherungen fuer Mieter - Mieterin in der Wohnung liest ein Schreiben

Der Brief vom Vermieter ist unmissverständlich: Kündigung wegen Eigenbedarfs. Die Wohnung werde für ein Familienmitglied gebraucht. Doch Eigenbedarf lässt sich auch vortäuschen.

Wenn etwa eine Kündigung angefochten wird, eine Nebenkostenabrechnung fragwürdig ist oder die Kaution nicht zurückgezahlt wird, übernimmt der Mietrechtsschutz die Anwalts- und Gerichtskosten.

Der Mietrechtsschutz ist nicht automatisch in jeder Rechtsschutzversicherung enthalten. Zum Grundbaustein „Privatrechtschutz“ muss „Miete“ in vielen Tarifen zusätzlich abgeschlossen werden. Die Versicherung hilft nicht nur bei Konflikten mit dem Vermieter, sondern auch bei Streit mit den Nachbarn. Sie bietet rechtliche Beratung durch Fachanwälte und unterstützt bei außergerichtlichen Einigungen.

Der Preis für Rechtsschutzversicherungen mit dem Baustein „Miete“ liegt meist zwischen 150 und 300 Euro im Jahr.

Bis die Versicherung greift, gilt in der Regel eine Wartezeit von drei Monaten. Wer bereits mit seinem Vermieter streitet, kann nicht direkt profitieren. Manche Anbieter verzichten gegen einen Aufpreis auf die Wartezeit, springen aber nur bis zu einer bestimmten Summe ein. Reitz rät von solchen Policen ab.

Eine Alternative zum Mietrechtsschutz ist die Mitgliedschaft in einem Mieterverein, die jährlich um die 100 Euro kostet. Mitglieder werden juristisch beraten und bei Konflikten mit dem Vermieter unterstützt. Beraten lassen kann man sich direkt nach Eintritt, den Rechtsschutz gibt es wie bei einer Versicherung erst nach drei Monaten.

Versicherungen fuer Mieter - Mehrfamilienhaus Altbau

Weniger wichtige Versicherungen für Mieter

Versicherungen fuer Mieter - modernes Wohnzimmer mit Esstisch

Beim Umzug rutscht die schwere Kommode aus den Händen und stößt gegen die Balkontür. Die Scheibe bekommt einen Sprung.

Das wäre ein Fall für die Glasversicherung. Allerdings würden auch Hausrat- und Haftpflichtversicherungen mit Glasbaustein einen solchen Schaden abdecken.

Weder eine separate Glasversicherung noch der Zusatzbaustein sind für die meisten nötig.

„Wenn Sie einen großen Wintergarten haben, ein paar wilde Kinder und eine Glasvitrine, in der sie Ziertassen sammeln, dann lohnt sich vielleicht der Abschluss. In der Regel rate ich nicht dazu“

, sagt Reitz.

Grundsätzlich richtet sich die Gebäudeglasversicherung an Eigentümer oder Vermieter. Wird es im Mietvertrag vereinbart, darf die Prämie über die Nebenkosten auf die Mieter umgelegt werden.

Kaution leisten bei knapper Kasse

Wer in eine neue Wohnung zieht, muss in der Regel eine Kaution von bis zu drei Monatsmieten hinterlegen. Das bindet schnell mehrere Tausend Euro, die nicht jeder auf einmal aufbringen kann.

Eine Mietkautionsversicherung garantiert dem Vermieter die Kaution, ist aber kostspielig. Der Jahresbeitrag liegt bei rund fünf Prozent der Kautionssumme. Dieses Geld bekommt man später nicht zurück.

Außerdem ist ein Vermieter nicht gezwungen, eine solche Bürgschaft zu akzeptieren. Liegt die Kaution auf einem Konto, kann er im Schadensfall direkt darauf zugreifen. Bei einer Bürgschaft muss er seinen Anspruch zunächst bei der Versicherung anmelden, Unterlagen einreichen und auf die Zahlung warten.

Eine Mietausfallversicherung springt übrigens nicht ein, wenn Mieter ihre Miete nicht bezahlen können. Sie richtet sich an Vermieter, die sich gegen ausbleibende Mietzahlungen absichern möchten.

Versicherungen fuer Mieter - Altstadt

Fazit

Deutschland gilt als versicherungsfreudig, und tatsächlich ist die Versicherungsdichte im internationalen Vergleich hoch. Notwendig sind jedoch nur Policen, die große finanzielle Risiken abdecken.

Die wichtigste Versicherung für Mieter ist die Haftpflichtversicherung. Sie schützt bei Schäden, für die man mit seinem gesamten Vermögen haften müsste.

Eine Hausratversicherung sichert den eigenen Besitz ab, ein Mietrechtsschutz oder die Mitgliedschaft in einem Mieterverein hilft, wenn es zu Konflikten mit dem Vermieter kommt. Der Rechtsschutz einer Versicherung ist meist umfangreicher, aber auch teurer als der Beistand eines Mietervereins.

Mit Haftpflicht, Hausrat und Mitgliedschaft in einem Mieterverein kommt man für eine 80 Quadratmeter große Wohnung auf rund 250 Euro im Jahr. Zwingend ist nur die Haftpflicht, die beiden anderen sind sinnvolle Ergänzungen. In einem Land, in dem man sich gegen fast alles versichern kann, ist das eine kurze Liste.

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