ETF-Sparplan
ETF-Sparplan oder Sondertilgung: Was lohnt sich wann?
Gutverdiener, die einen Immobilienkredit abbezahlen, haben jeden Monat noch etwas Geld übrig. Doch was ist sinnvoller: eine Sondertilgung für die laufende Immobilienfinanzierung leisten oder das Geld in einen ETF investieren?
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Investment in ETFs statt einer Sondertilgung des Immobiliendarlehens lohnt sich nur, wenn die ETF-Rendite nach Steuern über dem effektiven Zins des Immobiliendarlehens liegt.
- Eine Sondertilgung bietet eine Art sichere Rendite in Höhe der eingesparten Kreditzinsen. ETFs hingegen bieten die Chance auf höhere Erträge – allerdings mit mehr Risiko.
- Historisch gab es schon lange Zeiträume, in denen ETFs keine Zugewinne erzielt haben.
- Vermögensverwalter erwarten für das kommende Jahrzehnt eher mäßige ETF-Renditen, die nach Steuern kaum über den typischen Darlehenszinsen liegen.
- Ein ETF-Investment ist allenfalls sehr vermögenden Immobilienkäufern anzuraten, die den Kredit jederzeit tilgen können.
Das Dilemma: ETF-Sparplan oder Sondertilgung

Wer gut verdient, hat jeden Monat einen Überschuss und stellt sich die Frage, ob er das Geld am Kapitalmarkt anlegen oder für eine Sondertilgung seines Immobiliendarlehens verwenden soll.
Dabei gilt grundsätzlich: Der ETF lohnt sich, wenn der Zins des Immobiliendarlehens niedriger sein wird als die Rendite des ETFs.
„Bei einem Darlehenszins von rund 3 Prozent muss ein ETF etwa 4 Prozent Rendite erzielen, damit er nach Steuern überhaupt gleichzieht“
, erklärt Baufinanzierungsberater Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber IMMO.info.
ETF oder Sondertilgung: Was hat sich historisch gelohnt?
Historisch fuhr man aber nicht automatisch mit einem ETF-Investment besser – etwa wenn man Zeiträume von zehn Jahren betrachtet, eine typische Dauer für Zinsbindungen.
„Ein Welt-ETF bringt keine garantierten Gewinne, sondern kann auch über lange Zeiträume von 10 oder 12 Jahren im Minus liegen“
, warnt Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Ein Sparplan in den Weltaktienindex MSCI World lag beispielsweise in 7 Prozent der 10-Jahreszeiträume zwischen 1970 und 2024 im Minus (siehe Tabelle). In jeder fünften Dekade lag die Rendite bei 4 Prozent oder weniger. In der Spitze dauert es einmal 15 Jahre, bis man mit einem Sparplan eine positive Rendite erzielt hatte (Einmalanlage: 12,5 Jahre).
Wie Scobel betont, ist es daher „nicht sicher, dass man mit ETFs bis zur nächsten Anschlussfinanzierung besser fährt als mit Sondertilgung.“
Anteil der Verlust- und Niedrigrenditezeiträume beim MSCI World
| Ergebnis nach 10 Jahren | Wahrscheinlichkeit (Einmalanlage) | Wahrscheinlichkeit (Sparplan) |
|---|---|---|
| Negative Rendite (Verlust) | 11 % | 7 % |
| Rendite bis zu 2 Prozent p.a. | 16 % | 7 % |
| Rendite bis zu 4 Prozent p.a. | 20 % | 20 % |
| Rendite bis zu 6 Prozent p.a. | 27 % | 33 % |
Welche ETF-Renditen erwarten Experten in der Zukunft?

Experten sind zudem eher verhalten, was die Aktienrenditen der nächsten zehn Jahre angeht. Der Weltaktienmarkt ist nach dem starken Anstieg der vergangenen Jahre leicht erhöht bewertet im historischen Vergleich, also eher teuer (etwa nach Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnis). Die großen Vermögensverwalter rechnen daher durchweg mit Renditen unter 7 Prozent pro Jahr.
Etwa erwartet Vanguard 5 bis 6 Prozent auf Sicht der kommenden zehn Jahre (siehe Tabelle). Der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock rechnet mit 5,7 bis 6,7 Prozent je nach Aktienmarkt (auf Eurobasis).
Diese Prognosen liegen also kaum oberhalb der aktuellen Bauzinsen von circa 4 Prozent und sind deutlich niedriger als die Jahresrenditen der vergangenen fünf oder zehn Jahre, die bei Welt-ETFs zweistellig waren. Zudem sind die Prognosen unsicher; niemand kann heute wissen, wie hoch bzw. niedrig die Renditen tatsächlich ausfallen werden.
Mehr über die richtige Zinsbindungsdauer und Prognosen über die Bauzinsentwicklung lesen Sie in diesem Artikel.
Aktien-Renditeprognosen der weltweit größten Vermögensverwalter für die kommenden zehn Jahre
| Prognose von… | Rendite pro Jahr |
|---|---|
| Vanguard (ohne Inflation) | USA: 4,9 %; globale Aktien (ohne USA): 5,6 %; Schwellenländer: 4,2 % |
| Fidelity (nach Abzug der Inflation) | Industrieländer: 2,8 %; Schwellenländer: 4,0 % |
| Blackrock (ohne Inflation) | USA: 6,5 %; Europa: 6,7 %; Schwellenländer: 5,7 % |
| Vergleich: Bauzinsen (Stand: April 2026) | 3,92 % (10 Jahre Sollzinsbindung); 4,13 % (15 Jahre), 4,26 % (20 Jahre) |
Wann lohnt sich der ETF gegenüber der Sondertilgung?
Dirk Scobel rät daher davon ab, einen Kredit für eine selbstgenutzte Immobilie abzubezahlen und gleichzeitig in ETFs zu investieren.
„Für private Kleinanleger ist es regelmäßig die sicherere Entscheidung, zu tilgen als zusätzlich in ETFs zu investieren.“
Eine Sondertilgung sei eine Art sichere Mehrrendite, weil man Kreditzinsen spare.

Geht bei der Finanzierung etwas schief, ist der Schaden sehr groß – bis zum Verlust der Immobilie oder Überschuldung. Die Bank darf nämlich eine Zwangsversteigerung einleiten, wenn der Darlehensnehmer das geliehene Geld nicht mehr zurückzahlen kann, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit, Scheidung, Berufsunfähigkeit oder weil der Ehepartner stirbt.
Wer dennoch in ETFs investieren möchte, sollte deswegen möglichst viele der folgenden Anforderungen erfüllen:
- Hohes Vermögen: Sie können den Immobilienkredit jederzeit komplett aus vorhandenen Mitteln zurückzahlen.
- Hohe Risikobereitschaft: Kurseinbrüche von 40 oder 50 Prozent beim ETF können Sie psychisch aushalten – trotz bestehender Bankschulden.
- Sicherer Beruf: Etwa eine Verbeamtung oder eine Tätigkeit mit sehr geringem Arbeitslosigkeitsrisiko bzw. hoher Nachfrage (z. B. Arzt).
- Umfassende Absicherung: Absicherung gegen Lebensrisiken, etwa durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung.
- Instandhaltungsrücklage vorhanden: Sie verfügen über ausreichende Rücklagen für unvorhergesehene Reparaturen oder Ausgaben bei der Immobilie.
ETF-Sparplan vs. Sondertilgung (bei Immobilienfinanzierung)
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
|
|

Fazit: ETF-Sparplan vs. Sondertilgung
Immobilienkäufer können überschüssige Mittel für Sondertilgungen nutzen oder in einen ETF investieren. Doch der ETF ist kein Selbstläufer; die Indexfonds könnten in der Zeit bis zur Anschlussfinanzierung durchaus Verluste einfahren, während die Sondertilgung eine garantierte Rendite durch Zinsersparnis bringt.
Daher dürfte die Sondertilgung in aller Regel für Privatanleger sinnvoller sein. Am ehesten könnte der ETF etwas für sehr vermögende Anleger sein, die den Immobilienkredit bei Bedarf jederzeit komplett tilgen können.
Häufige Fragen (FAQ)
Zinsprognosen und Zinsbindungsdauer
Bauzinsen 2026: Entwicklung und Prognosen im Überblick
Eigenkapitalanteil Immobilienfinanzierung
Eigenkapitalanteil bei Immobilienfinanzierung: So viel braucht man wirklich
Gerichtsurteil
Ausdruck: 18.05.2026
© IMMO.info gemeinnützige GmbH




