Immobilienverrentung

Steigende Pflegekosten: Kann die eigene Immobilie zur Finanzierung der Pflege beitragen?

Die Kosten für die stationäre Pflege steigen weiter – und für viele ältere Menschen wird die Finanzierung eines Pflegeheimplatzes zunehmend zur Herausforderung. Nach einer aktuellen Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr eines Heimaufenthalts seit dem 1. Juli 2026 bundesweit durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat aus eigener Tasche bezahlen. Das sind 256 Euro mehr als noch vor einem Jahr.

Autor: JH Redaktion und Experten | Veröffentlicht: 18.07.2026 10:55 | Lesezeit: 12 Minuten | Drucken

steigende_pflegekosten - Pflegekraft begleitet älteren Mann im Rollstuhl im Park

Aktuelle Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen vdek 

Vor diesem Hintergrund rückt eine Frage immer stärker in den Fokus: Wie lässt sich die eigene Immobilie nutzen, um die steigenden Pflegekosten zu finanzieren – ohne das vertraute Zuhause vorschnell aufgeben zu müssen?

Pflege wird immer teurer

steigende_pflegekosten - Wort Rente auf Euro-Banknoten

Die Eigenanteile setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: dem pflegebedingten Eigenanteil, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung, den Investitionskosten der Einrichtungen sowie den Ausbildungsumlagen.

Besonders stark gestiegen sind gem. vdek zuletzt die pflegebedingten Kosten, unter anderem aufgrund höherer Personalkosten infolge einer besseren Vergütung von Pflegekräften. Trotz der seit 2022 eingeführten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung nimmt die finanzielle Belastung der Betroffenen weiter zu.

Viele Pflegebedürftige müssen deshalb auf Ersparnisse zurückgreifen oder Vermögen einsetzen. Nicht selten stellt die eigene Immobilie den größten Vermögenswert dar.

Die Immobilie als Finanzierungsquelle

steigende_pflegekosten - Seniorenpaar nutzt Laptop gemeinsam auf dem Sofa

Für Eigentümer stellt sich in Fällen solch hoher Pflegekosten die Frage, wie sich das in der Immobilie gebundene Vermögen nutzen lässt, ohne sofort verkaufen zu müssen.

Hierfür existieren inzwischen verschiedene Modelle der Immobilienverrentung, beispielsweise:

  • Vollverkauf mit Nießbrauch oder Wohnungsrecht
  • Verkauf mit Rückmiete
  • Umkehrhypothek
  • Teilverkauf

Welches Modell geeignet ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab:

  • Soll die Immobilie möglichst lange/lebenslang selbst genutzt werden?
  • Wird sofort Liquidität benötigt oder erst zu einem späteren Zeitpunkt?
  • Soll die Immobilie innerhalb der Familie verbleiben?
  • Welche steuerlichen und erbrechtlichen Folgen ergeben sich?
  • Wie hoch ist der tatsächliche Kapitalbedarf für die Pflege?

Eine pauschale Empfehlung gibt es daher nicht.

Pflegekosten sind selten planbar

steigende_pflegekosten - Berater zeigt Seniorenpaar ein Tablet im Gespräch

Die Problematik der Pflegekosten wird dadurch verschärft, dass die Dauer einer Pflegebedürftigkeit regelmäßig nicht vorhersehbar ist. Während manche Menschen nur wenige Monate stationäre Pflege benötigen, verbringen andere mehrere Jahre, nicht selten bis zu ihrem Lebensende im Pflegeheim.

Deshalb sollte nicht allein der aktuelle Finanzierungsbedarf betrachtet werden. Ebenso wichtig ist eine langfristige Planung, die genügend finanzielle Reserven für einen längeren Pflegeverlauf vorsieht.

Vorsicht vor vorschnellen Entscheidungen

steigende_pflegekosten - Wohnhaus, ältere Menschen

Gerade wenn Pflegebedürftigkeit plötzlich eintritt, stehen Angehörige häufig unter erheblichem Zeitdruck. Die Finanzierung muss kurzfristig organisiert werden, gleichzeitig müssen zahlreiche persönliche und rechtliche Entscheidungen getroffen werden.

In dieser Situation besteht die Gefahr, sich vorschnell für das erstbeste Angebot zu entscheiden.

Dabei unterscheiden sich die Modelle der Immobilienverrentung teilweise erheblich hinsichtlich

  • der ausgezahlten Liquidität,
  • der laufenden Kosten,
  • der Nutzungsrechte,
  • der Vertragslaufzeiten,
  • der Mitspracherechte sowie
  • der Auswirkungen auf spätere Erben.

Auch innerhalb eines einzelnen Modells – etwa beim Immobilienteilverkauf – können die Vertragsbedingungen der Anbieter deutlich voneinander abweichen. Davon abgesehen unterliegen auch Verrentungsmodelle Marktgegebenheiten – so gibt es in Deutschland faktisch kein wirtschaftliches Angebot einer Umkehrhypothek (mehr). Auch die Anbieter des Teilkaufmodells sind nicht mehr flächendeckend in der Lage, Teilankäufe durchzuführen. Das liegt an der stark eingeschränkten Refinanzierbarkeit. Wir berichteten zuletzt in unserem Artikel vom 13.07.2026 hierüber.

Unabhängige Beratung ist entscheidend

Wer die eigene Immobilie zur Finanzierung von Pflegekosten einsetzen möchte, sollte sich daher umfassend und anbieterunabhängig informieren.

Neben den wirtschaftlichen Aspekten spielen regelmäßig auch rechtliche, steuerliche und erbrechtliche Fragen eine wichtige Rolle. Nur wenn sämtliche Konsequenzen bekannt sind, lässt sich eine tragfähige Entscheidung treffen, die sowohl den eigenen Bedürfnissen als auch den Interessen der Familie gerecht wird.

steigende_pflegekosten - Pflegekraft hilft Seniorin beim Aufstehen vom Sofa

Fazit

Die aktuelle Entwicklung der Pflegekosten zeigt erneut, dass die Finanzierung stationärer Pflege für viele Eigentümer zu einer erheblichen wirtschaftlichen Herausforderung wird. Die eigene Immobilie kann dabei einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung leisten.

Sie sollte jedoch nicht vorschnell verkauft oder verrentet werden. Die unterschiedlichen Modelle der Immobilienverrentung bieten jeweils eigene Chancen und Risiken. Eine sorgfältige Analyse der persönlichen Situation sowie eine unabhängige Beratung sind deshalb unverzichtbar, um die passende Lösung zu finden.

Für weitergehende Informationen: Tagesschau: Pflegekosten: Eigenanteil für Pflege im Heim erneut gestiegen, 14.07.2026. (tagesschau.de )

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